Zweit-Trimester-Screening oder Babywatching zu dritt Woche 22: 25 Zentimeter und 400 Gramm pures Glück

Ein lang ersehnter Termin stand gestern auf unserem Programmzettel. Wir waren beim Babywatching. 🙂 Die Termine bei Frau Doktor sind mittlerweile für mich zur Routine geworden, es war nun auch der vierte Termin, dem ich beiwohnen durfte. 😉 Gestern war aber ein ganz besonderer Tag, denn Kind1 durfte beim Babywatching mit dabei sein. (Babywatching steht eigentlich für Zweit-Trimester-Screening oder im Allgemeinen für eine Ultraschall-Untersuchung. Seitdem ich mich aber regelmäßig auf Instagram rumtreibe, gibt es für solche Untersuchungen neue Ausdrücke.) 😀

Der Termin war um 16:15 Uhr. Da das Wetter sehr angenehm war und die Praxis nur ca. 12 Minuten zu Fuß von Zuhause entfernt ist, sind wir alle drei gemütlich in die Stadt geschlendert. Auf dem Weg dorthin, habe ich dem „Babywatching Neuling“ mal ein wenig auf den Zahn gefühlt. Ich wollte ja wissen, wie er sich so eine Untersuchung vorstellt. So ganz  sicher war er sich nicht und eine richtige Vorstellung hatte er auch nicht. Ich habe seine Erläuterungen einfach mal so im Raum stehen lassen, er würde es ja gleich live miterleben dürfen. Er und die werdende Mama waren aber unfassbar aufgeregt vor dem Termin. Meine Frau hatte schon in der Früh deswegen Herzklopfen. Ich war natürlich total entspannt und releaxed, als alter Frauenarztgänger wusste ich ja ganz genau was passiert. 😀

Anders als erwartet war die Praxis der Frau Doktor „gähnend“ leer. So kenn ich das gar nicht. Die Sprechstundenhilfe saß apathisch hinter ihrem Tresen und zählte wohl die Minuten, bis zum Feierabend. Überhaupt wirkte die Praxis nicht wirklich besetzt. Es war so still, keine Kinder, die in der Spielecke Krach machten, keine anderen Mütter oder werdende, die mich komisch anschauten. Lediglich die Stimme von Frau Doktor, die im Labor mit einem Stromanbieter telefonierte, war zu hören. Natürlich habe ich das Gespräch nicht absichtlich belauscht. 😀 Die Tür stand offen und wir wurden auf die Wartebank direkt gegenüber gebeten. Die Wartebank ist sowas wie das zweite Wartezimmer, nur offen. Direkt vor dem Behandlungsraum, dem Labor, der Toilette und dem Raum, in dem die Azubine meiner Frau einen schönen Bluterguss in den Arm gestochen hat. Die Folterkammer!

Frau Doktor sprach über Stromrechnungen, die nicht bezahlt wurden und über eine Stromabschaltung, die nicht stattfinden darf. Wie gesagt, ich hab nicht absichtlich gelauscht, es war nur nicht zu überhören. Innerlich hoffte ich, dass die Abschaltung nicht die Praxis betrifft. Wo soll ich denn zukünftig zum Babywatching, jetzt wo die Praxis sowas wie meine zweite Heimat geworden ist. Nachdem das Gespräch ein paar Minuten später wohl in Zufriedenheit beider Gesprächsteilnehmer beendet wurde, huschte Frau Doktor an uns vorbei in ihr Behandlungszimmer. Jetzt sollten wir gleich dran kommen, dachte ich.

Vorher musste meine Frau aber noch in die Folterkammer. Zum Glück nur zum Blutdruck messen und nicht zur Blutabgabe. So ein Bluterguss macht sich im Sommer, wenn man nur kurzärmlig unterwegs ist, nicht wirklich gut. Nicht, dass einer auf die fadenscheinige Idee kommt, ich würde meine Frau misshandeln oder so. Nein – Blutdruck messen war in Ordnung. Es war ja auch diesmal nicht die Azubine sondern die Sprechstundenhilfe, die Hand anlegte.

Nach dem Messen, der Blutdruck war mit 118/67 wie gewohnt etwas zu niedrig, mussten wir noch weitere 10 Minuten auf der Wartebank verbringen. Was macht die gute Frau so lange alleine in dem Behandlungszimmer? Endlich ging die Tür auf und, wie sonderbar, es kam ein Pärchen aus dem Zimmer. Haben die da drinnen gerade 15 Minuten lang geschwiegen? Ich wunderte mich zwar ein wenig, war aber froh, dass wir endlich an der Reihe waren.

Alle drei „Babywatcher“ wurden sehr freundlich mit Handschlag begrüßt. Es wurden die gängigen Floskeln ausgetauscht. „Wie geht es Ihnen?“ „Haben Sie Beschwerden?“ usw. Nach dem Smaltalk beschäftigte sich die Frau Doktor ganz lange und einfühlsam mit Kind1. Sie erklärte, was ihn nun erwarten würde und hat ihn so ein bisschen mit in die Behandlung eingebunden. Ganz, ganz dickes Lob Frau Doktor! Ich würde für die unbezahlte Stromrechnung auf dem Marktplatz sammeln gehen für dieses Verhalten. Kind1 stellte ungewohnt viele Fragen und Frau Doktor beantwortete jede einzelne. Da waren Fragen wie z.B. „Was ist das für ein Schleim, der da auf den Bauch kommt?“ oder „Warum ist da eine Disco in deinem Bauch?“ (Die Blutzirkulation des Babys wird ja in rot und blau angezeigt), „Ist das das Herz, was so bumpert?“, „Die Nase sieht aber ein bisschen aus wie die von Pinoccio.“ Kind1 und Frau Doktor verstanden sich sehr gut.

Bevor der Schleim auf den Bauch der werdenden Mama gespritzt wurde, erinnerte ich Frau Doktor daran, dass die Geschlechtsbestimmung bitte ohne „uns“ stattfinden soll. Sie hatte das falsch verstanden und meinte, dass sie uns dann rausschickt, wenn sie nachschaut. Da wir aber alle drei nicht wissen wollen, was da am 09.10. aus dem Bauch schlüpft, habe ich das Missverständnis aufgeklärt und Frau Doktor verspach, im entscheidenden Moment Bescheid zu geben. Das Bild im „entscheidenden Moment“ muss göttlich gewesen sein. Meine Frau, auf der Untersuchungsliege liegend, bekam von mir die Augen zugehalten, Kind 1 hielt mir die Augen zu und ich, mit der zweiten Hand die Augen von Kind1. Erst später dachte ich mir, wie bekloppt das ausgesehen haben muss, wir hätte ja auch alle die Augen schließen können. 😀 😀 😀

Die Untersuchung von Little-L war ohne nennenswerte Auffälligkeiten, absolut „fehlerfrei“. Kopfdurchmesser, Größe, Herzkammern, Kindslage, Augen, Magen, Harnblase, Kleinhirn, Geschlecht. Alles da, alles funktioniert, alles zeitgerecht entwickelt. Lediglich mit dem Gewicht war sie nicht so ganz einverstanden. Little-L ist zwar ein klein wenig zu leicht, was aber nicht weiter dramatisch ist. Es ist nur aufgefallen. Mit 400 Gramm und 25 Zentimeter ist alles „noch“ im grünen Bereich. Natürlich gab es auch tolle Fotos von unserem Nachwuchs.

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So sieht Little-L momentan aus. Während der Untersuchung war er total brav und ruhig. (wir wissen wirklich nicht ob es ein Junge oder ein Mädchen wird) Bei dem Bild hat mich die werdende Mama ganz fest mit der Hand gedrückt und die Freudentränchen waren wieder da. 🙂

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Das hier ist der linke Fuß von unserem Baby. Er misst gerade mal 3,71cm in der Länge. Wer es nicht gleich erkennt, rechts oben ist der große Zeh und links die Ferse. Schon irgendwie bewegend sowas zu sehen und zu wissen, dass ein neues Leben im Bauch meiner Frau wächst.

Die Untersuchung war also ein voller Erfolg. Freudestrahlend und mit jeder Menge Glücksgefühlen im Bauch sind wir nach der Untersuchung für die werdende Mama Klamotten shoppen gegangen und danach gab es für jeden von uns einen zwei-Kugel-Eisbecher 🙂

Jetzt noch was in eigener Sache: Letzten Monat durfte ich knapp 1500 Besucher auf diesem Blog begrüßen. Vielen lieben Dank dafür!!!!! Wenn ihr Wünsche, Anregungen, Tipps, Lob oder Kritik habt, lasst es mich gerne wissen, damit auch die nächsten 1500 Spaß daran haben hier mitzulesen.

Euer werdender Papa

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One comment on “Zweit-Trimester-Screening oder Babywatching zu dritt Woche 22: 25 Zentimeter und 400 Gramm pures Glück

  1. Tjaja, immer diese Tränchen. Aber ich glaube viele Mamas in spe und auch die, die schon Mama sind, können das nachvollziehen. Natürlich ist es auch schon ein Wunder, wenn der Bauch wächst und gedeiht und man dann endlich die Bewegungen des Babys spüren kann. Für mich ist es so, dass ich dann wirklich weiß, dass es das Baby wirklich in meinem Bauch gibt. Aber wenn ich dann bei der Ärztin auf der Liege liege und sie den Schleim auf meinen Bauch aufträgt, da fängt mein Herz automatisch schneller an zu schlagen und ich starre wie gespannt auf den Monitor…und natürlich zerquetsche ich vor lauter Aufregung die Hand des werdenden Papas 😉 Aber er muss sich ja eh auf die Schmerzen bei der Geburt vorbereiten, ich sehe das als gute Übung. Und dann der erste Blick auf das Baby nach einer gefühlten Ewigkeit ( immerhin ganze 4 Wochen) ist ein so unbeschreibliches Gefühl, da laufen die Freudentränchen und Rührungstränchen von ganz alleine *ggg* Weil es so fantastisch ist, diese kleine Wunder im eigenen Bauch zu sehen, dass das heutzutage so gut geht. Jedes Mal bin ich ergriffen wie die Natur das macht, dass jede kleine Zelle weiß, wohin sie wandern und was sie werden muss. Und ich bin jedes Mal sprachlos vor Glück, dass wir, der werdende Papa und ich das gemeinsam so „beschwerdefrei und problemlos“ erleben dürfen.

    Egal wie lange die Untersuchung dauert, die Zeit vergeht immer viel zu schnell und ich muss mich bis zum nächsten Ultraschalltermin mit den Fotos zufrieden geben.
    Ich habe heute alle meine Kollegen im Büro mit dem Bild von dem süßen kleinen Minifüßchen gequält, aber sie haben es tapfer über sich ergehen lassen 😉

    Nun heißt es wieder tapfer sein, die Fotos jeden Tag anschauen, das Baby spüren, streicheln und kitzeln und hoffen, dass die nächsten 4 Wochen bis zum nächsten Termin schnell rum gehen.

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