Geburtsbericht von Cheeruplion Ein Gastbeitrag von Sylvia

Heute darf ich euch eine neue Kategorie hier im Blog vorstellen. Unter dieser Kategorie, werde ich in unregelmäßigen Abständen Gastbeiträge von anderen Bloggern präsentieren. Den heutigen Gastbeitrag und sozusagen die Premiere, hat die liebe Sylvia vom Blog https://cheeruplion.wordpress.com/ verfasst. Ich habe sie über Blog-Tags kennengelernt. Sie war auch die erste Person, in meinem jungen Bloggerleben, zu der ich sofort einen Draht hatte und mit der ich mich wundervoll austauschen konnte. Ein echter Herzensmensch. Sylvia ist 28 und frisch gebackene Mutter. In Ihrem Blog, berichtet Sie über das Familienleben mit Lipödem. Ich freue mich, den Geburtsbericht ihrer kleinen Tochter veröffentlichen zu dürfen.
Ich wünsche euch viel Spaß beim lesen.


Die Geburt von Missy.

Heiko hat mich gefragt, ob ich einen Geburtsbericht für seinen Blog schreiben würde. Da ich eh überlegt habe einen zu erstellen, finde ich es toll auf einem Blog zu Gast zu sein. Also vielen lieben Dank für die Chance, lieber Heiko. 🙂

Mit Missy haben wir unser erstes Kind erwartet. Ängstlich bin ich an die Geburt nicht gegangen, ich habe meinem Körper von Anfang an vertraut. Außerdem ist noch kein Kind im Bauch geblieben.
Bis auf den Umstand, dass ich keine PDA wollte und gerne eine Wassergeburt gehabt hätte, hatte ich keine Vorstellungen, wie die Geburt verlaufen würde.
Die Klinik, in der ich entbinden wollte, war für mich von vorne herein klar. Zum Ende der Schwangerschaft hin hörte man aber immer öfter, dass die Klinik brechend voll sein würde. In der Umgebung hatten zwei Geburtsstationen dicht gemacht. Es ist wirklich fürchterlich, was da vor sich geht – gerade da Hebammen und Pflegekräfte so gebraucht werden!

Am 31.05. waren mein Mann und ich noch einkaufen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass es bald los gehen würde. Obwohl der errechnete Termin der 01.06. war. Missy fühlte sich scheinbar wohl im Bauch, durfte sie ja auch. Abends saßen wir dann noch gemütlich draußen, bis ich mich etwas seltsam fühlte. Ich wollte mich kurz hinlegen – es wurde wirklich nur kurz. Denn 5 Minuten später, um ca. 22:30 Uhr, spürte ich eine Art „Ploppen“.

Kennst du diese „Nimm*2“ Bonbons mit Füllung? So in etwa kann ich das Gefühl am besten erklären. Ich war schlagartig wach und sprang auf, ging dann doch lieber vorsichtig ins Bad und spürte das erste Rinnsal. Mir wurde sofort klar, dass das Ploppen meine Fruchtblase war. Ich rief nach André um ihm dies mitzuteilen und wir dann gleich zur Klinik aufbrechen konnten. Wir haben in diesem Moment keinen Krankenwagen gerufen, da ich von meiner Frauenärztin und meiner Hebamme wusste, dass das Köpfchen tief genug sitzt um abzudichten.

Um 23 Uhr waren wir in der Klinik. Während der Fahrt hatte ich 2 mal leichte Wehen und doch noch ordentlich Fruchtwasser verloren. Glücklicherweise hatte ich eine Unterlage für das Auto mitgenommen. Mein Tipp an alle, denen das noch bevorsteht: Fahrt nicht mit geplatzter Fruchtblase und Hose in die Klinik. (Sollte es ein nächstes Mal geben, werde ich defintiv eher ein Kleid anziehen oder ein Nachthemd.)

Geburtsbericht2

Die Nachthebamme nahm uns auf und es begann erstmal die Untersuchung. Dass die Fruchtblase geplatzt war, war klar. Das sah man an dem See, den ich verlor. Der Muttermund allerdings war nur auf einen kleinen Finger breit offen. Die Hebamme konnte dann während der Untersuchung „manuell“ noch 2-3 cm dazu gewinnen – ein wirklich sehr unangenehmes Gefühl. Den Rest mussten jetzt meine Wehen erledigen, denn die kamen jetzt öfter und heftiger. Mir wurde ein Zugang gelegt, falls man mir etwas verabreichen würde. Für die nächsten Stunden waren wir dann auf uns allein gestellt. Wir liefen umher und atmeten die Wehen weg. Die Hebamme schaute nur spoardisch rein, nebenher gab es noch genug anderer Geburten. Aber man fühlte sich doch echt allein gelassen. Auf der anderen Seite, was sollte sie auch machen? Es waren nur 2 Hebammen für 4 Kreissäle da. Ganz ehrlich, was denkt man sich bei so einer Einteilung?

Irgendwann wurden die Wehen allerdings stärker und die Hebamme, die zu dem Zeitpunkt Gott sei Dank da war, bot mir eine Injektion gegen meine Schmerzen an. Es war kein Wehenhemmer und für mein Kind nicht schädlich. Also willigte ich dazu ein. Nach 3-4 Stunden kamen wir endlich in den Kreissaal. Zu meiner Freude sogar in den Saal, in der eine Badewanne stand. Allerdings war der Geburtsvorgang noch nicht weit genug fortgeschritten, sodass ich mich erstmal aufs Bett legen sollte. Dieses Bett sollte ich die gesamte Geburt auch nicht verlassen.

Bei der nächsten Untersuchung (es gab zwischenzeitlich auch einen Hebammenwechsel) wurde festgestellt, dass der Muttermund weit genug offen ist. Die Hebamme war begeistert, was in den vergangenen 5 Stundenvon meinem Körper geschafft wurde. Leider stellten sie auch fest, dass Missy eine Sterneguckerin ist. Als Sternengucker werden Kinder bezeichnet, bei denen das Gesicht bei der Geburt zum Bauch der werdenden Mama zeigt und nicht zum Rücken. Für eine Geburt an sich die falsche Lage.

Nun kamen die für mich wirklich ca. 2 schlimmsten Stunden. Ich bekam vorsorglich einen Wehenhemmer, um es besser zu überstehen. Aber nun durfte ich knapp 2 Stunden lang in Seitenlage nicht pressen. Also bei Presswehen dagegen atmen. In dieser Zeit hätte ich meinem Mann beinahe den kleinen Finger gebrochen und wenn in diesem Moment Blicke hätten töten können – seiner Meinung nach wäre er in dieser Zeit umgefallen. Du hast den Drang zu pressen, darfst aber nicht. Mein Mann stand die ganze Zeit neben mir und hat unterstützend mit mir die Wehen veratmet. Das gewünschte Ergebnis in dieser Zeit war einfach, dass sich Missy in die richtige Position dreht. Zumindest so, dass sie entbunden werden konnte.

Das tat sie. Mittlerweile wurde allerdings auch der Oberarzt gerufen, da der Kopf nicht perfekt lag. Er und eine weitere Ärztin diskutierten zusammen, ob man jetzt einen Kaiserschnitt oder doch lieber die Saugglocke nehmen würde. Das war etwa 2 1/2 Stunden Pressen später und ich wirklich am Ende meiner Kräfte. Neben den Presswehen hatte ich auch noch fürchterliche Krämpfe in den Waden – bei jeder verdammten Wehe.
Meine gewünschte Wassergeburt, die bei den Krämpfen eventuell Linderung gebracht hätte, konnte ich leider vergessen. Man war sich nämlich zusätzlich nicht sicher, ob der Herzschlag von Missy oder mir war. Das wäre zu riskant gewesen. Ich dachte zu diesem Zeitpunkt wirklich ich würde es nicht schaffen.

 

Als ich aber die beiden Wörter Saugglocke und Kaiserschnitt hörte, war ich auf einmal ganz klar im Kopf – und auf 180. Denn wie geschrieben, die beiden diskutierten miteinander. Während ich in den Wehen lag und gaben mir nicht Bescheid! Hier ging es um mein Kind, wieso werde ich da also nicht eingebunden? André sagte, man sah in diesem Moment förmlich wie ich meine Kraft nochmal gebündelt habe, um… nun ja, ich habe den Oberarzt zusammen gefaltet. Aber so richtig. Als ich nämlich nachgefragt habe, was jetzt los ist, sagte er erstmal nichts. Und dann wurde ich richtig laut, dass er mir sofort zu sagen hat, wie diese Geburt weiter geht!

Den verdutzten Blick vom Oberarzt hab ich gar nicht mehr richtig in Erinnerung, ich konzentrierte mich auf das, was er sagte: dass die Saugglocke genommen wird und er sich auf meinem Bauch abstützen würde, um unserem Kind zu helfen. Dafür bestärkte mich die wunderbare Geburtshebamme nochmal, gab mir etwas zu trinken und wischte mir das Gesicht ab. Ich bin dieser Frau so dankbar, dass sie da war.

3-4 Wehen später, einen verdammt schweren Oberarzt auf meinem Bauch und mit Hilfe der Saugglocke hatte ich um 9:28 Uhr unsere kleine Tochter im Arm. Und wir waren beide überwältigt. Wir haben beide geweint, während dieses wunderschöne 54 cm große Krümelchen mit 3470 g direkt unsere Herzen eroberte. 40 Wochen lang haben wir auf unseren Schatz gewartet und plötzlich war sie da. Groß geschrien hat sie nicht (was nicht selten ist, klärte mich die Hebamme auf) und sie war gesund, so wie alles sein sollte – denn die Kinderärzte werden da vor dem Einsetzen einer Saugglocke immer direkt gerufen. Selbst das Köpfchen war nicht verformt – was durch so eine Glocke ja öfter mal passiert. Auch nachdem der Papa die Nabelschnur durchgeschnitten hatte, schaute sie mich einfach nur mit ihren großen wunderschönen Augen an.

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Mein Mann und ich umarmten uns innig und da erfuhr ich auch, dass ich auf Grund der Saugglocke einen Dammschnitt für wenige Zentimeter bekommen hatte und zusätzlich 1-2 mm gerissen waren. Schmerzhaft? Um ehrlich zu sein nein gar nicht. Den Schnitt habe ich überhaupt nicht mitbekommen. Ich habe mich komplett auf das Pressen konzentriert und auch das Reißen habe ich nicht bemerkt. Für das Zunähen habe ich dann Lachgas bekommen, hier war einzig allein die Betäubungsspritze verdammt schmerzhaft. Das Nähen war unangenehm, aber die Ärztin war mega lieb. Und nachdem ich sie „einen fiesen Möpp“ genannt habe, musste sie sehr lachen. Denn so wurde sie noch nie genannt, nachdem sie gesagt hatte, ich dürfe sie nennen wie ich will. Während des Zunähens durfte der stolze Papa seine Tochter die ganze Zeit im Arm halten.

Mein erstes Aufstehen war sehr zaghaft, allein wegen des Kreislaufes. Aber verdammt war das komisch, als spürbar alle Organe nach unten „sackten“. Ich war, wie gesagt, die letzten 4-5 Stunden nur gelegen, was der Schwerkraft natürlich herzlich egal war. Die Hebamme beobachtete mich genau und achtete auch drauf, dass mein Kreislauf nicht schlapp machte. Ihrer Meinung war er so stabil, dass ich Duschen gehen konnte. Allerdings nicht alleine, André sollte mit – falls mein Kreislauf sich doch noch verabschieden würde. Sie konnte in der Zeit dann Missy waschen und für unsere Verlegung fertig machen.

Nach der Dusche fühlte ich mich wieder einigermaßen wohl, bekam ein normales Krankenhausbett und durfte auch endlich meine Tochter wieder halten. Und ja, es ist wirklich so. Sobald man sein Kind im Arm hält, ist der ganze Schmerz egal. Denn die Liebe, der Stolz und die Zuneigung, die man für dieses kleine Wesen hat, ist einfach unbeschreiblich und man kann die Gefühle gar nicht ordnen. Man weint – einfach vor Freude. Und hat nur noch Augen für dieses wunderschöne Baby.Nun ist Missy schon einen Monat alt. Nach wie vor bin ich stolz auf meinen Körper, was er geleistet hat. Die 40 Wochen Schwangerschaft, die Höchstleistung während der Geburt und auch jetzt bin ich baff, was er leistet: Die Rückbildung und auch die Milchbildung, damit Missy so gut versorgt ist. Die kleine Maus wiegt nämlich schon fast 9 Pfund.

Auf die Geburt schaue ich eigentlich lächelnd zurück. Natürlich hätte ich gerne die Wassergeburt gehabt, aber es war einfach besser für Missy. Dass ich den Oberarzt so angepflaumt habe, lässt mich im Nachhinein immer noch schmunzeln. Aber hier muss ich einfach sagen: selbst schuld. Man kann so eine Entscheidung nicht über den Kopf der werdenden Mutter treffen. Man muss diese da schon mit einbinden. Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich haarscharf an einem Notkaiserschnitt vorbeigeschlittert bin. Aber durch eine wunderbare Hebamme und einen fabelhaften Ehemann habe ich die Geburt meistern können. Und jetzt wird diese Zeit durch und durch genossen.

Meine kleine Familie. ♥


Vielen Dank Sylvia, dass du dich gleich bereit erklärt hast einen Beitrag für meinen Blog zu Verfassen. Ich wünsche eurer kleinen Familie alles, alles Liebe und Gute für die Zukunft!

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