Woche 29: Phasenverschiebung (m)einer Frau

Willkommen in Woche 29 unserer Schwangerschaft und Willkommen im achten Monat. 🙂 Die letzte Woche war wieder gespickt mit Erlebnissen. Sehr viele schöne und auch das eine oder andere nicht so schöne Erlebnis hat die letzte Woche begleitet. Ich habe ja schon viele neue Seiten an meiner Frau kennengelernt, seit dem sie in anderen Umständen ist, aber letzte Woche hatte sie für ganz kurz den Vogel abgeschossen. So eine Schwangerschaft wird ja während ihrer Laufzeit von der einen oder anderen Phase begleitet.

Da gibt es zum Einen die „Übelkeits- und Brech“ Phase. (kotzen soll man nicht schreiben, hat man mir gesagt, darum mach ich es auch nicht :lol:) diese tritt hauptsächlich im ersten Drittel der Schwangerschaft auf. Zum Anderen gibt es die „Mir passen keine Klamotten“ Phase, dicht gefolgt von der „Ich bin viel zu dick“ Phase. Eine schönere ist dann die „Oh schau mal wie groß meine Brüste geworden sind“ Phase und die „Das Baby bewegt sich ganz stark im Bauch, komm schnell“ Phase. Gegen Ende des zweiten Trimesters treten dann die „Ich hab so Hunger auf alles was im Kühlschrank ist“ Phase und die  „Ich bin noch unglaublich dicker als letzten Monat“ Phase, in Erscheinung.

Das sind alles Dinge, mit denen ich ganz gut umgehen kann und die ich auch ganz schnell, sollte meine Hilfe von Nöten sein, wieder gerade gebogen bekomme. Letzte Woche hat meine Frau aber gemeint, sie muss eine Glaubenskrise bekommen und alles und jeden in Frage stellen. Sie ist ja, aufgrund der Glanzleistung Ihrer Chefin, sozusagen vom Dienst suspendiert. Die Befreiung von weiteren beruflichen Aktivitäten schien ihr auch recht gut zu tun. Bis letzten Dienstag!!! Schon früh am Morgen, als unsere tägliche Verabschiedungszeremonie lief, habe ich gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Was genau konnte ich nicht wirklich deuten….aber es fehlte was.

Woche 29

Da über den Tag hinweg das tägliche Kinderzimmer-Kaufrausch-Bombardement ausblieb, habe ich mal ganz vorsichtig nachgefragt, ob denn alles in Ordnung ist Zuhause. Man weiß ja nie, was da alles passieren kann. Beim Fenster putzen aus dem Dach gepurzelt oder beim Staubsaugen im Kabel verheddert……kann ja alles sein. 😀 😀 😀 Auf meine Nachfrage kam aber prompt eine Antwort. „Alles gut“ Wer meine Frau kennt, weiß, dass man nicht wortkarger antworten kann als so. Nächste Frage meinerseits. „Baby, was ist denn los?“ Antwort: „Nix“.

WTF……..das schlimmste aller Wörter einer Frau „NIX“. Sie hat tatsächlich „NIX“ geantwortet. Als Mann weiß man, dass es jetzt brennt auf´m Dach. In Gedanken bin ich den ganzen letzten Tag minutiös durchgegangen. „Finde den Fehler….such nach der Nadel….was hast du schon wieder falsch gemacht.“ So sehr ich auch nachdachte, mir fiel nicht ein, was ich falsch gemacht haben konnte. Ich habe also nachgehakt und darauf bestanden, eine vernünftige Antwort zu bekommen. Zum Glück dauert diese „NIX“ Phase bei meiner Frau niemals sehr lange. Es sprudelte also förmlich aus ihr heraus. „Ich fühle mich so unnütz, so ungebraucht, nicht wertvoll und einfach mies“ (auch hier: Scheisse darf man nicht schreiben, darum habe ich es durch das Wort miest ersetzt)

Ganz, ganz harter Tobak, der mich da getroffen hat. Was macht man in so einer Situation? In solchen Momenten wünsche ich mir wirklich einen „Frauen-Almanach“, in dem man auf alles eine Antwort findet. Da ich den aber gerade an meinen besten Kumpel verliehen hab, musste ich improvisieren. Ich hab also kurzerhand das Büro verlassen und Zuhause angerufen. Mit verheulter Stimme wurde ich schon am Telefon begrüßt. Nach einer kurzen Erläuterung der aktuellen Gefühlssituation, habe ich alle Vorteile, die eine Schwangerschaft mit Berufsverbot so haben könnte, aufgezählt. Anmerkung:  „Du musst das Baby ausbrüten, ist keine gute Antwort!!!!!“
Ich war über mich selbst erstaunt, was mir da so alles eingefallen ist. Nach ungefähr 20 Minuten hatte ich meine Frau soweit, dass sie den Tag – bis ich aus dem Büro komme – heulfrei übersteht.

Als ich Zuhause war, haben wir uns dann noch mal auf die Couch gelegt und über das Gefühlchaos gesprochen. Wieder habe ich die Wertigkeit einer schwangeren Frau hervorgehoben und alle Punkte des Telefonat´s am Vomittag wiederholt. Es hat seine Wirkung nicht verfehlt. Zum Glück! Jetzt muss ich nur noch an der Nachhaltigkeit meiner Worte arbeiten.

Liebe werdenden Väter da draußen. Eure Frauen verdienen es, gehört zu werden. In einer Schwangerschaft gibt es Höhen und Tiefen. Ihr habt den aktiven Part, eure Frauen zu unterstützen. Ihr müsst die Schwangerschaft respektieren und die Frau als „Mutterschiff“ eures Nachwuchs‘ würdigen. Es ist in vielen Momenten nicht leicht und oftmals macht sich unfassbare Hilflosigkeit breit. Es gibt kein Patentrezept und auch leider keinen „Frauen-Almanach“. Euer Bauchgefühl und eure Intuition weisen euch aber den richtigen Weg. Denkt an eure Frau, euer Kind und an das, was euer Leben nachhaltig verändert. Ihr seid das Zünglein an der Waage und tragt eine sehr große Verantwortung. Eure Frauen werden es mit liebevoller und fürsorglicher Erziehung eures Kindes danken!

Natürlich möchte ich auch diese Woche nicht versäumen, die Entwicklung von Little-L zu beschreiben.

Little-L wiegt mittlerweile 1250g und hat einer Größe von 37cm erreicht. So langsam wird es eng im Bauch. Bewegungen zeichnen sich nun deutlich an der Bauchdecke ab. Über die Plazenta wird er mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt, die er für ein sein Immunsystem benötigt. Langsam aber sicher, wird auch die Geburtsposition eingenommen. Dies zeichnet sich durch sogenannte Übungswehen ab. Im Regelfall wird während der 29. und 31. Schwangerschaftwoche das dritte Screening vorgenommen. Bei uns ist dies nächste Woche. Heute steht ein weiteres Highlight auf dem Programmzettel. Wir sind zum Partnerabend beim Lokomotivenkurs eingeladen. Das wird sicher lustig und ich werde ausgiebig darüber berichten 😉

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2 comments on “Woche 29: Phasenverschiebung (m)einer Frau

  1. Liebe Sonja,
    diese Gefühle hatte ich „leider“ auch. Da hilft es sich mit anderen werdenden Mamis z.B. aus dem Geburtsvorbereitungskurs zum Frühstück zu verabreden oder du suchst dir ein Hobby, was produktiv ist (bei mir war es Nähen). Schwangerenschwimmen ist auch super und man merkt vor allem für ein paar Minuten/Stunde die wachsende Kugel nicht und kann sich entspannen. Oder schau doch mal nach nem VHS Kurs. Genieße die Zeit noch !!! Und schlaf dich noch richtig aus.
    LG Julia

    • Hallo liebe Julia,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich muss zugeben, dass es mir zu Anfang unangenhem war, was der Papa da in seinen Beitrag geschrieben hat. Irgendwie hat Frau das Klischee im Kopf, dass die Schwangerschaft eine wundervolle Zeit sein soll. Dazu kommt dann der Spruch: “ Was jammerst du denn, du bist schwanger und nicht krank.“ *augenroll*
      Die Schwangerschaft ist zweifelsfrei wundervoll und aufregend und ein Wunder. Vorallem, wenn die Schwangerschaft so unkompliziert verläuft, wie bei uns – zum Glück.
      Gerade deswegen hab ich immer gleich ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal einen Durchhänger habe. Etwas anderes ist es natürlich, es ganz öffentlich zu erzählen.
      Wie dein Kommentar und auch Gespräche mit anderen Mamis zeigen, geht es aber vielen Frauen in der Schwangerschaft ähnlich. Das hilft mir, das schlechte Gewissen klein zu halten und diese Phase durchzustehen. Vorallem denke ich, ist Ehrlichkeit in dieser Beziehung das Beste. Wie du schon geschrieben hast, wenn man weiß, dass es anderen auch so geht, fühlt man sich nicht mehr alleine mit seinen schlechten Gefühlen und somit werden sie gleich weniger 😉
      Besonders gut tut es, wenn vorallem der Partner, der die Launen ja hautnah zu spüren bekommt, Verständnis zeigt, auch wenn er gerade gar nicht weiß, was eigentlich los ist und wo das Problem liegt. Meistens wissen wir das ja selbst gar nicht so genau bzw. sind es oft viele Kleinigkeiten, die dann auf einmal zu viel sind.
      Ich habe auch schon Gegenmaßnahmen unternommen, die bisher auch wirklich gut greifen 🙂 Ich denke auch der schöne Sommer trägt seinen Teil zur guten Laune bei…auch wenn ich froh bin, dass es ab und zu regnet bzw. mal kühlere Tage dabei sind.
      Schlafen hilft tatsächlich auch immer, denn wenn ich ausgeruht bin, fühle ich mich stärker und tapferer, den Phasen entgegen zu stehen. Allerdings muss ich aufpassen, dass es nicht zu viel ist, denn sonst kommt mein Kreislauf gar nicht in Schwung und meine Laune sinkt in den Keller.

      Liebe Grüße,
      Sonja

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