Stillen oder nicht stillen – das ist hier die Frage

Endspurt beim Geburtsvorbereitungskurs, es geht um die Frage Stillen oder nicht Stillen. 🙂

In den ersten drei Stunden haben wir Frauen uns mit unserem Körper auseinander gesetzt. Unsere allgemeinen Wehwehchen analysiert und dafür Lösungen erarbeitet. In den Stunden vier und fünf wurde gemeinsam mit den werdenden Papas das Kind „entbunden“. Die letzte Stunde stand ganz im Zeichen des Stillens oder auch nicht Stillens.

Sehr gefreut habe ich mich, als ich beim Betreten des Raumes gleich die sympathische Hebamme erblickt habe, die auch beim Krankenhausrundgang dabei war. Ungewohnt pünktlich hat sie die Stunde begonnen mit der Aussage „Stillen ist ein sehr emotionales Thema“. Unter diesem Motto hat sie uns durch die letzte Einheit geführt. Leider war die Zeit viel zu schnell rum, wir hätten noch mehrere Stunden weiter sprechen können. Gleich nach der obligatorischen Vorstellungsrunde, die zum Glück dieses Mal auf Name und SSW beschränkt wurde, haben wir losgelegt. Als erstes haben wir etwas die Anatomie unserer Brüste gelernt, wie das so mit den Milchgängen und Drüsen ist. Anschließend haben wir uns in zwei Gruppen zusammengesetzt um die Punkte pro und contra Stillen zu sammeln.

Pro:

  • starke Mutter Kind Bindung
  • „artgerechte“ Ernährung
  • immer die richtige Zusammensetzung und Temperatur
  • viele Abwehrstoffe, die man dem Kind mit auf den Weg geben kann
  • keine finanzielle Belastung
  • Gaumen-, Kiefer- und Gehirnentwicklung werden durch das Stillen gefördert
  • Rückbildungsvorgänge bei uns Mamas werden unterstützt

Contra:

  • alleinige Verantwortung der Frau
  • Schmerzen und Probleme wie Milchstau, die durch das „falsche“ Anlegen kommen können
  • Abhängigkeit
  • Veränderung der Brüste
  • psychische Belastung durch Gesellschaft / Familie / Freunde
  • Man muss weiterhin auf eine gesunde ausgewogene Ernährung achten
  • Genussmittel sind weiterhin zu meiden

Die Punkte, die gegen das Stillen sprechen, sind schon gewichtig und es gibt aus dem Freundeskreis auch viele negative Erzählungen. Wir waren uns jedoch einig, dass wir auf jeden Fall stillen möchten, sofern es klappt.
Anschließend hat die Hebammen einen Beutel mit allerlei Stillutensilien durchgegeben. Nachdem jede von uns eine Sache davon in der Hand hatte, haben wir anhand der Gegenstände viele wichtige Informationen und Tipps zum Stillen bekommen.

Babywiege

Einer der wichtigsten Punkte für mich ist, dass ein Kind immer dann gestillt wird, wenn es Hunger hat. Spätestens alle 3 Stunden allerdings sollte es sich melden und seine Mahlzeit einfordern. Die Hebamme vertritt die Meinung – die auch meiner entspricht – dass Babys instinktiv ums Überleben kämpfen. Deswegen ist es überhaupt nicht förderlich für die Entwicklung des Urvertrauens, wenn man versucht, das Baby an einen Rhythmus zu gewöhnen. Babys kommen, wenn sie Hunger haben und sollten dann auch etwas bekommen. Nicht, dass ihr das falsch versteht…ich bin keine Unterstützerin der „Dauernuckler“, die den ganzen Tag an Mamas Brust hängen. Aber ich kenne mich, wenn ich Hunger habe und jetzt bin ich Erwachsen und sollte mich beherrschen können. Wenn ich allerdings so richtig Hunger habe und dann nicht zeitnah etwas zwischen die Zähne bekomme, ist aber der Teufel los 😉

Die Brust bildet die ersten 3-4 Tage das sogenannte Kolostrum, also die Vormilch. Diese ist etwas zäher und gelblicher als die normale Milch, da sie unglaublich viele Abwehrstoffe enthält. Erst ab dem 3-5 Tag schießt die Milch ein und das Baby bekommt seine richtige Nahrung. Zum Glück hat die Natur alles genau durchdacht, denn nach der Geburt kann der Magen des Babys nur maximal 5 ml pro Mahlzeit fassen. Ab Tag 3 dann schon ca. 25ml und erst ab Tag 7 dann 50ml. Somit ist die Gefahr, dass das Baby nicht satt wird die ersten Tage, bis die Milch richtig fließt, überhaupt nicht gegeben. Der kleine Babymagen und der späte Milcheinschuss sind auch der Grund dafür, dass die Kinder in den ersten Tagen nach der Geburt Gewicht verlieren. Tolerierbar sind bis zu 10 % des Geburtsgewichtes, wobei die Kinderärzte bereits ab 5 % Körpergewicht nervös werden.

Wenn die Mama dann noch nicht ausreichend Milch bildet, wird im Krankenhaus gerne zugefüttert. Denn die Gefahr bei einer so hohen Gewichtsabnahme besteht darin, dass das Baby sehr schwach wird und deswegen es nicht mehr schafft, ausreichend Milch aus der Brust zu bekommen. Was ja wieder bedeuten würde, dass man zufüttern muss, damit das Baby wieder zu Kräften kommt. Dadurch legt Frau das Kind aber auch seltener an, wodurch die Milchbildung zurückgehen könnte und womöglich nicht zur Sättigung ausreicht.

Womit man dann in einer Spirale gelandet ist, die meistens das Abstillen und die alleinige Flaschenernährung zur Folge hat. In diesem Zusammenhang hat uns die Hebamme auch geraten, keine Schnuller zu benutzen bzw. direkt aus dem Flaschensauger zu füttern. Solange das Kind nicht sicher an der Brust trinkt, sollte jegliches Plastik im Mund des Kindes vermieden werden, damit es nicht zu einer „Stillverwirrung“ kommt. Gibt es wirklich diesen Begriff – auch wenn er komisch klingt 🙂

Durch ihre sehr anschauliche Erklärung aus der Sicht des Babys hat sie uns diese eindeutig vor Augen geführt. Besser ist es in dieser Zeit dem Kind zur Beruhigung den kleinen Finger anzubieten als Sauger(wichtig dabei sind wirklich kurze Nägel, damit der empfindliche Babygaumen nicht verletzt wird). Wenn man mit der Flasche zufüttern muss, sollte man das Fingerfüttern versuchen. Hierbei steckt man dem Kind wieder den kleinen Finger in den Mund und lässt die Milch aus der Flasche langsam am Finger entlang in das kleine Mündchen fließen. Und das auch nur solange, wie das Kind am Finger saugt. Wenn es aufhört zu saugen, stoppt man die Milchgabe. Erst wenn es wieder mit dem Saugen am Finger beginnt, gibt es Nachschub.

Der große Vorteil von Finger anstatt Gummisauger ist, dass das Kind den Geruch und Geschmack von Mama oder Papa hat und somit besser trinkt bzw. sich beruhigen lässt. Außerdem wird das Kind nicht an eine fast anstrengungslose Nahrungsaufnahme gewohnt, sondern muss etwas dafür tun.

Zum Glück werden wir alle bei diesem schwierigen aber überaus wichtigen Thema nicht alleine gelassen. Meistens wird das Baby noch im Kreissaal das erste Mal mit Hilfe der Hebamme an die Brust angelegt. Auch danach stehen die Hebammen und Krankenschwestern mit Rat und Tat zur Seite, damit Mama und Kind ein eingeschworenes Stillteam werden. Es stehen uns die ersten 10 Tage nach der Entbindung täglich 2 Besuche der Hebamme zur Stillunterstützung zu. Die ersten Tage wird dies im Krankenhaus übernommen. Die übrigen der 10 Tage hilft dann die Nachsorge-Hebamme weiter. Auch durch die gesamte Stillzeit bezahlt die Krankenkasse die Hebammenbesuche.

Um die Brustwarzen vorzubereiten auf die Belastung, wurde uns empfohlen so oft es geht ohne BH zu sein. Die reibende Kleidung härtet die Brustwarzen ab. Zusätzlich kann man unter der Dusche die Brustwarzen mit einem nassen Waschlappen bearbeiten, aber bitte vorsichtig. Denn zu starke Beanspruchung der Brustwarzen kann vorzeitige Wehen auslösen.
Auch Teebeutel mit schwarzem Tee helfen durch die enthaltenen Gerbsäuren die Brustwarzen abzuhärten.
Die Milchbildung kannab der Geburt durch das tägliche Trinken von drei Tassen Stilltee unterstützt werden. Abgesehen davon soll während der Stillzeit ausreichend und regelmäßig getrunken werden. 2-3 Liter sollten es täglich sein. Karamalz und alkoholfreies Weißbier regen die Milchbildung zusätzlich an. Ich weiß schon, dass mein Mann immer auf genügend Karamalznachschub achten wird*ggg*

Natürlich haben die Hebammen ihre ganz eigenen Geheimnisse und Taktiken, wie sie es in den meisten Fällen schaffen, dass das Stillen klappt.
Hilfsmittel sind zum Beispiel

  • eine Milchpumpe, die die Milchbildung fördern kann
  • Brustwarzencreme, falls diese doch einmal wund sind
  • verschiedenste Anlegepositionen
  • die richtigen Stilleinlagen (Wolle-Seide zum Waschen)
  • nicht zu vergessen, die positive Einstellung und das Durchhaltevermögen

Spätestens bis zur Geburt sollte Frau entschieden haben, ob sie ihr Kind stillen möchte. Somit weiß die Hebamme,  ob sie das Kind im Kreissaal anlegen soll.
Damit wir auch gleich wissen, wie das mit dem Anlegen geht, haben wir mit Puppen „geübt“. Es gibt im Wesentlichen 2 Positionen, die sich anbieten. Bei allen ist darauf zu achten, dass der Körper des Babys in einer Linie liegt. Heißt, dass Kopf, Schulter und Hüfte eine gerade Linie bilden. Wenn das Kind den Kopf zur Brust drehen oder neigen muss, kann es nicht gut trinken und wird nicht satt. Außerdem sollte die Mama eine bequeme Position suchen, damit sie beim Stillen entspannt ist und keine Schmerzen danach hat.

  • Wiegen- Haltung: Die Mutter sitzt aufrecht und hält das Baby in ihrem Arm. Sie stützt den Rücken oder umfasst den Oberschenkel des Babys. Der Kopf des Babys ruht auf dem Unterarm oder in der Ellenbeuge. Arm, Schultern und Rücken der Mutter sollten bequem, z.B. mithilfe eines Stillkissens, abgestützt werden. Die Mutter kann ihre Brust mit der freien Hand mit dem C-Griff (Daumen oben, die Finger unten) stützen.
  • Football- Haltung: Bei dieser Haltung, die auch Seitenhaltung oder Rückenhaltung genannt wird, liegt das Baby seitlich, unterhalb des Arms der Mutter. Die Beinchen des Babys zeigen zum Rücken der Mutter und stemmen sich gegen die Rückenlehne. Der Vorteil der Seitenhaltung gegenüber der Wiegenhaltung ist, dass der Kopf des Kindes gezielter an die Brust herangezogen werden kann. So lässt sich das Baby vor allem in der Neugeborenenzeit besser anlegen.
  • Stillen im Liegen: In dieser Stillposition liegen Mutter und Baby ganz dicht nebeneinander auf der Seite, sie berühren sich Bauch an Bauch. Der Rücken eines Neugeborenen muss noch gestützt werden. Dies kann entweder durch den Oberarm der Mutter oder z.B. durch ein zusammengerolltes Handtuch oder ein (Still)Kissen erfolgen.

Der Geburtsvorbereitungkurs endete mit dem Druchprobieren der einzelnen Stillpositionen mit den Puppen mit Unterstützung der Hebamme.
Wir haben noch alle Nummern ausgetauscht und eine WhatsApp-Gruppe gibt es auch schon. Wie immer bei diesen Kursen dauert es leider eine Zeit, bis man sich kennt. Aber ich denke über die Gruppe kann ich mit der ein oder anderen in Kontakt bleiben.

Ich möchte mit diesem Beitrag nicht für oder gegen das Stillen stimmen. Mir war wichtig alle Informationen zusammen zu schreiben. Das Gehirn einer Schwangeren gleicht ja bekanntlich einem Sieb. Und da ich sowieso schon beim formulieren war, wollte ich euch gerne an dem Thema teilhaben lassen.
Egal, ob eine Frau ihr Kind stillt oder nicht, sie hat immer Gründe für ihre Entscheidung. Steht zu eurer Entscheidung und lasst euch nicht reinreden durch andere.

Denn wie wir alle wissen: Stillen ist ein sehr emotionales Thema.

 

 

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