Die Sache mit den Windeln Stoffwindeln vs. Wegwerfwindeln

Ich muss zugeben, an das Thema „Windeln“ habe ich bis kurz vor der Geburt keinen Gedanken verschwendet. Windeln kaufen, Babypo mit Feuchttüchern abwischen, Creme drauf und frische Windel dran – fertig.

Ungefähr im fünften Schwangerschaftsmonat kam dann der werdende Papa auf mich zu und hat mir vorgeschlagen mit Stoffwindeln zu wickeln. Meinen irritierten Gesichtsausdruck könnt ihr euch bestimmt vorstellen. Mein Mann hat ja meistens sehr gute Ideen, aber Stoffwindeln??? Vor meinem inneren Auge sah ich unseren großen Nudelkochtopf auf dem Herd stehen mit vollen Mulltüchern zum Auskochen gefüllt. Ein Gedanke, den ich ganz schnell vergessen wollte. Dann viel mir ein Beitrag im TV ein über eine Firma, die diese Windeln stellt und alle paar Wochen die gebrauchten zum Waschen abholt und Nachschub bringt. Diese Vorstellung war auch nicht viel besser.

Mein verzweifelter Gesichtsausdruck und mein Nein konnte der werdende Vater so gar nicht verstehen. Da er sehr hartnäckig sein kann, wenn er von einer Sache überzeugt ist, hat er sich gleich mit Hilfe des Internets daran gemacht, mir die Stoffwindeln schmackhaft zu machen. Er selbst ist durch eine Bekannte darauf gekommen. Die wickelt nun schon das dritte Kind mit Stoffwindeln und hat nur positive Erfahrungen damit.
Also hab ich mich vor das Internet gesetzt und mich schlau gelesen. Ich muss zugeben, die heutigen Stoffwindeln haben nur noch wenig mit den Mulltüchern und den Wollüberhosen von früher gemeinsam. Wobei das wohl immer noch die gesündeste Methode ist. Aber ganz so „Back to the roots“ möchte ich dann doch nicht gehen.

Stoffwindeln

Das Angebot an verschiedenen Modellen und Herstellern ist riesig und für Neulinge wie uns schwer zu durchblicken. Wie der Zufall so will, habe ich bei uns im Freibad einen Flyer ausliegen gesehen für eine Stoffwindelberatung  bei uns ganz in der Nähe. Zwei Emails später hatten wir einen Termin mit der lieben Sabrina vereinbart.
Nach einer sehr herzlichen Begrüßung, hat sie uns die vielen Vorteile der Stoffwindeln erklärt.

Zunächst geht es um die finanzielle Entlastung. Die erste Anschaffung von Stoffwindeln ist zwar kostenintensiv. Allerdings wachsen die Windeln alle mit, heißt, man kann sie von Geburt an verwenden bis das Kind sauber ist. Und natürlich auch für ein Geschwisterkind bzw. später weitergeben.
Zwar gibt es bei uns eine Windelprämie. Das heißt, die Stadt erstattet nach festgelegten Kriterien einen gewissen Betrag der Müllkosten zurück.
Allerdings kommt hier dann der Thema Umweltschutz dazu. Wegwerfwindeln brauchen ca. 300 Jahre bis sie verrotten. Zwar benötigt man für die Reinigung der Stoffwindeln Wasser und Waschmittel, allerdings fällt das bei den heutigen energie- und wassersparenden Maschinen weniger ins Gewicht als die Kosten für die Müllentsorgung- und vernichtung.

Weiter steckt in den Wegwerfwindeln viel Chemie. Zusätzlich kommt es durch die gewünschte sehr hohe Feuchtigkeitsaufnahme dazu, dass das Kind immer einen trockenen Po hat. Somit wird es womöglich erst spät sauber. Es merkt ja gar nicht, wenn die Windeln voll ist und hat somit auch keinen Grund, aufs Töpfchen zu gehen, damit der Popo nicht mehr nass ist. Die Stoffwindeln müssen natürlich erst eingewaschen werden. Bei einigen Windeln braucht es einige Waschgänge, damit sie ihr volles Aufnahmevermögen entfalten und von eventuellen Produktionsrückstände gereinigt sind. Trotzdem werden Kinder mit Stoffwindeln häufiger gewickelt. Die Einlagen sind einfach schneller voll als der Saugkern in den Wegwerfwindeln.

Nach diesen allgemeinen Punkten ging es nun ans Eingemachte. Sabrina hatte ihren kompletten Wohnzimmertisch mit den verschiedenen Systemen und Herstellern zugepflastert. Wie sollten wir hier jemals einen Überblick bekommen? Dank Sabrina hat das sehr gut geklappt. Sie hat uns alle Systeme vorgestellt und alle unsere Fragen ausführlich beantwortet. Wer uns kennt, weiß, dass da durchaus auch sehr kritische dabei waren ;). Mir ging es hauptsächlich um die Frage der Reinigung. Welches Waschmittel benötigt man, werden die Windeln und auch die zustätzlichen Einlagen wirklich ganz sauber oder sieht man mit der Zeit jeden Stuhlgang?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, hab ich alle – und ja, wirklich alle – Windeln und Einlage von Sabrina inspiziert. Da sie uns ihre Windeln und Einlagen gezeigt hat, die sie tagtäglich für ihre 2 Kinder nutzt, konnten wir uns ein gutes Bild machen. Was soll ich sagen…es war wirklich alles überraschend sauber. Das hatte ich so nicht erwartet. Vorallem das Trocknen in der Sonne bleicht alle Flecken aus. Zusätzlich kann man ab und zu etwas Sauerstoffbleiche mit in die Waschmaschine geben. Trotzdem hatte ich diese Sauberkeit und Fleckenlosigkeit so nicht erwartet.

Um euch einen Einblick in die einzelnen Systeme zu geben, versuche ich einmal alles zusammen zu fassen:
– All – in- one Komplettwindel ( Unser Favourite)
Hier ist die Saugeinlage mit der Windel fest vernäht, also hat man alles in einem. Für die Nacht, für Kinder, die viel Urin lassen oder auf längeren Ausflügen kann man zusätzliche Einlage hineinlegen.
Sie hat außen einen wasserdichten aber atmungsaktiven Stoff und ist innen aus Baumwolle oder Polyester. Zusätzlich gibt es an den Beinen zwei Bündchen, die ein Auslaufen fast vollständig
verhindern.
Die Windeln wird vollständig gewaschen.

– Höschenwindel ( für Nachts sehr überzeugend)
Diese besteht meist aus Baumwolle oder Bambusviskose, d.h. die komplette Windel dient als Saugkern. Gegen das Auslaufen wird zusätzlich eine Überhose über die Höschenwindel gezogen. Sie eignet sich hervorragend als Windel für die Nacht und kann auch zusätzlich durch weitere Einlagen verstärkt werden.
Hier wird nur die Höschenwindel gewaschen, die Überhose bei Bedarf mit einem feuchten Tuch ausgewischt und kann mehrfach verwendet werden.

– Pocketwindel
Hier wird die Saugeinlage individuell eingelegt in eine extra Öffnung, damit diese nicht verrutschen kann. Dieses System ist extrem flexibel, da immer genau so viele Einlagen benutzt werden
können, wie benötigt.
Auch hier muss das gesamte System gewaschen werden, also Windel und Einlagen.

– All- in- two System
Dieses System ist der Pocketwindel sehr ähnlich, allerdings fehlt hier die Öffnung, in die die Einlage eingeschoben wird.
Stoffwindelbenutzer. Hier kommt es darauf an, dass man die benötigten Einlagen richtig platziert, damit die Windel auch wirklich dicht ist. Sie besteht also aus der wasserdichten und atmungs-
aktiven Überhose in die entsprechend die Einlagen eingelegt werden.
Auch hier wäscht man vorallem die Einlagen nach jedem Wechseln, die Überhose wird mit einem feuchten Lappen ausgewischt und kann mehrmals verwendet werden, bevor sie in der Wäsche
landet.

– All- in- three System
Wie der Name schon sagt, besteht diese Windel aus drei Teilen, nämlich einer Außenwindel, einer Innenwindel und den Einlagen. Sowohl die Außen- als auch die Innenwindel sind wasserdicht und
atmungsaktiv. Die Innenwindel wird in die Außenwindel eingeknöpft und ist so gearbeitet, dass hier die Einlagen in je eine Tasche vorne und hinten eingelegt werden. So können diese nicht ver-
rutschen. Die Menge der Einlagen kann individuell angepasst werden.
Gewaschen werden wieder nur die Einlagen nach jedem Wechseln, Innen- und Außenwindel nach mehrmaliger Benutzung bzw. wenn diese verdreckt sind.

Für alle diese Varianten gilt, dass sie mitwachsen von der Geburt bis zum Sauber werden. Dies wird von den meisten Herstellern durch Druckknöpfe an der Außenwindel sicher gestellt, die man je nach Größe des Kindes zuknöpft. Nur für die Neugeborenen sind die Windeln trotzdem manchmal an den Beinchen zu groß und somit nicht ganz dicht. Viele Hersteller bieten daher extra kleine Stoffwindeln für Neugeborene an. Diese wachsen allerdings nicht lange mit. Entweder kauft man hier 2mal oder ihr macht es wie wir und habt für die erste Zeit Wegwerfwindeln in petto.

Einige Hersteller bieten für teuer Geld ein spezielles Waschmittel für die Windeln an. Kann man kaufen, muss man aber nicht. Wichtig ist, dass das Waschmittel keine Cellulase enthält, da die Stoffwindeln sonst ihre wasserdichte Komponente verlieren.
Auch Weichspüler wirkt sich negativ auf die Saugleistung aus. Am Besten trocknen die Windeln und Einlagen in der Sonne an der frischen Luft. Die Sonne wirkt wahre Wunder gegen Flecken. Um die Windeln und die Einlagen wieder weicher zu bekommen, dürfen sogar einige in den Trockner.

Die Stoffwindeln landen nach dem Wickeln wie gewohnt im Windeleimer. Es reicht diese alle 3 Tage zu waschen. Für uns selbstverständlich separat von unserer restlichen Wäsche. Man kann aber natürlich die Windeln auch mit der übrigen Kochwäsche also Handtüchern etc. waschen.
Für unterwegs gibt es extra luft-und wasserdichte Beutel. Hier lassen sich gebraucht Windeln super verstauen, bis sie zu Hause in den Windeleimer wandern. Erstaunlich ist, dass die Stoffwindeln auch nach drei Tagen Lagerung weniger stinken als Wegwerfwindeln.
Für das „große Geschäft“ wird in jedes Windelsystem als oberste Schicht ein Vlies eingelegt. Dieses entfernt man beim Wickeln mit samt dem Inhalt aus der Windel und entsorgt es über die Toilette oder im Mülleimer. Auch hier gibt es von den Herstellern  die unterschiedlichsten Formate und Vliesvarianten. Hier muss man einfach mit der Zeit seinen Favouriten finden.
Alles, was saugt, eignet sich als (zusätzliche) Einlage. Mulltücher, Baumwolleinlagen, IKEA-Waschlappen, Gästehandtücher, Bambuseinlagen, Trockenfleece, Hanfeinlagen und sogar Microfasereinlagen.

Nach über einer Stunde hatten wir alle Fragen geklärt, mussten aber das viele Gehörte erst einmal sacken lassen. Überzeugt hat uns die All- in- one Windel und die Höschenwindel als Nachtalternative. Alles andere scheint mir ohne eigene Erfahrung zu kompliziert.
Das Wichtigste ist allerdings, dass durch das Anfassen dürfen und die Erfahrungen aus erster Hand sich alle meine Vorurteile gegen Stoffwindeln in Luft aufgelöst haben. Hätte ich aber auch Wissen müssen, dass dieser Vorschlag meines Mannes wieder absolut der Volltreffer ist 😉

Nachdem Little-L nun fast 4 Wochen alt ist und fleißig zunimmt und unsere Restmülltonne seit seiner Geburt regelmäßig überquillt, haben wir jetzt Stoffwindeln bestellt.
Wir haben auch ein Schnäppchen gemacht. 🙂 Da ich mich bei den verschiedenen Shops bereits registriert hatte, bekam ich passend eine Email bekommen mit Werbung für eine 20% Rabatt Aktion. Da haben wir dann doch gleich zugeschlagen. Dank der Hilfe des papa_wickelt hatten wir auch einen Anhaltspunkt, wieviele Stoffwindeln wir benötigen werden, wenn wir ca. alle 3 Tage waschen wollen.
Jetzt heißt es erst einmal mit der Handhabung vertraut machen, einen Waschrhythmus finden, größere Bodies bzw. Bodieverlängerungen herrichten und einfach ausprobieren. 🙂
Ich werde euch dann berichten, wie es uns mit den Stoffwindeln ergangen ist.

Jetzt müssen wir nur noch die Oma überzeugen, dass die heutigen Stoffwindeln gar nichts mit denen aus Nachkriegszeiten zu tun haben ;). Auch wenn sie mich für total bekloppt erklärt hat, als ich ihr erzählt habe, dass wir uns dafür entschieden haben. Sollten wir Erwachsene es nicht schaffen, dann macht das bestimmt Little-L, wenn er keinen wunden Po hat und glücklich und zufrieden ist mit seiner Stoffwindel ;).

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2 comments on “Die Sache mit den Windeln Stoffwindeln vs. Wegwerfwindeln

  1. Bin bereits von den Stoffwindeln überzeugt. Littl-L hat sozusagen ganze Arbeit geleistet

  2. Oh das hab ich mir immer total kompliziert vorgestellt mit den Stoffwindeln. Ich denke es ist oft Unwissenheit. Ich werde es nicht mehr testen können, da die Familienplanung abgeschlossen ist, aber ich werde es vielleicht mal meinen Enkelkindern empfehlen :o) Hoffentlich dauert es bis dahin jedoch noch etwas! Ganz liebe Grüße Anke

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